Es ist ein Thema, das vielen Menschen und vor allem Frauen am Herzen liegt: Brustkrebs und das diesbezügliche, kostenlose Früherkennungsprogramm, das schon viele Leben gerettet und die Heilungs- und Behandlungschancen exponentiell verbessert hat. Im Rahmen unserer Kooperation mit ORF Radio Wien und mit Unterstützung unseres Feldpartners Bilendi haben wir 500 Wienerinnen und Wiener, repräsentativ für die Wohnbevölkerung zwischen 16 und 79, befragt, wie sie dieses Thema sehen. Der Befund zur Bekanntheit, Wahrnehmung und Nutzung des Programms ist überwiegend erfreulich, auch wenn sich in Teilbereichen weiterer Informations- und Aufklärungsbedarf zeigt.

Unter der Wiener Gesamtbevölkerung sind es ausbaufähige 33 %, die nach Eigenangaben meinen, gut über das gratis Brustkrebs-Früherkennungsprogramm Bescheid zu wissen. In der Bevölkerungsgruppe, die es am stärksten betrifft, nämlich Frauen ab dem Alter von 45 sind es aber immerhin 72 %, die sagen, dass sie gut Bescheid wissen, und weitere 27 %, die zumindest davon gehört haben. Vollkommen unbekannt ist das Programm demnach nur bei 1 % der Kernzielgruppe.
Dabei ist diese Selbsteinschätzung durchaus valide: Denn 77 % der Frauen ab 45 nennen die richtige empfohlene Altersgruppe für die Früherkennungsuntersuchungen oder sind „übervorsichtig“, nennen also ein geringeres Alter als die empfohlenen 45 Jahre. Und sogar 82 % nennen das empfohlene Intervall von 2 Jahren für diese Untersuchungen bzw. einen kürzeren Zeitraum.
Ebenso erfreulich erscheint, dass das Wissen um das Früherkennungsprogramm nicht vom formalen Bildungsniveau abhängig ist: 34 % der Befragten mit Matura meinen, das Programm gut zu kennen. Unter jenen ohne Matura sind es mit 33 % faktisch ebensoviele.
Das Früherkennungsprogramm stößt auf breite Akzeptanz: 52 % stimmen der Aussage, dass sich durch das Programm der Anteil jener Frauen, die an Brustkrebs sterben, deutlich vermindert hat, voll und ganz zu, weitere 37 % eher.
Die Zustimmungswerte (sehr, eher) unter Frauen (91 %) und Männern (88 %) sind ähnlich hoch. Dennoch geben nur 23 % der Männer, die über 45 sind und eine Partnerin haben, an, dass sie diese regelmäßig an das Früherkennungsprogramm erinnern. 43 % räumen ein, dass sie es nicht tun. Hier ist Luft nach oben und Handlungsbedarf. Es erscheint legitim, Männer bei diesem wichtigen Thema mit in die Pflicht zu nehmen.
Gewisse Unterschiede hinsichtlich der Zustimmung zum Früherkennungsprogramm bestehen nach Altersgruppen und nach dem formalem Bildungsniveau: Bei den unter 30-jährigen beträgt die Zustimmung 86 %, bei den Älteren 91 %. Wiener:innen mit abgeschlossener Matura stimmen zu 94 %, jene ohne Matura zu 85 %.


Immerhin: Gut die Hälfte, genau 52 %, der Frauen ab 45 gibt an, dass sie immer am Brustkrebs-Früherkennungsprogramm teilnimmt. Dies ist ein beachtlicher Wert, da der Begriff „immer“ eine hohe Messlatte darstellt. Weitere 24 % nehmen gelegentlich am Programm teil. Fast ebensoviele, 23 %, geben jedoch an, dass sie nicht am Programm teilnehmen. Ziel der Gesundheitspolitik muss es sein, diesen Anteil weiter zu senken.
Wiederum interessant: Die Teilnahme am Programm hängt nicht vom formalen Bildungsniveau ab, die Werte sind nahezu ident. Eher scheint die Lebenssituation eine Rolle zu spielen: 59 % der Frauen ab 45, die in einer Partnerschaft leben, geben an immer die Untersuchungen durchführen zu lassen. Unter den Alleinstehenden sind es 45 %, was auch mit dem höheren Alter dieser Gruppe erklärt werden kann. Eine mögliche weitere Erklärung: Die betroffenen Frauen werden zwar nicht allzu häufig von ihren Partnern an die Teilnahme erinnert (siehe oben), die Partnerschaft an sich könnte aber eine Motivation und Erinnerung an dieses Thema sein.
26 % der Frauen ab 45, die nicht regelmäßig am Früherkennungsprogramm teilnehmen, geben an, dass sie sich einfach nicht die Zeit dafür nehmen und es immer wieder verschieben. Diese Antwort ist durchaus selbstkritisch.
23 % geben an, dass sie sich selbst regelmäßig untersuchen und dass somit, so ist die Antwort wohl zu interpretieren, eine regelmäßige Teilnahme am Programm nicht notwendig sei. Vermutlich ist diese Einschätzung aus medizinischer Sicht nicht korrekt oder führt zumindest zu einer nicht optimalen Situation., denn die Selbstuntersuchung kann eine Mammographie nicht ersetzen.
An dritter Stelle steht mit 21 % die mangelnde Information über die Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Danach folgen zwei Argumente, welche die Untersuchungen aus inhaltlicher Sicht in Frage stellen: 17 % meinen, dass diese Untersuchung so häufig nicht gesund sei, z.B. aufgrund von Strahlungen. 12 % bezweifeln, dass die Untersuchung ausreichend verlässlich ist und dass diese „es bringt“. Hier zeigt sich eine Skepsis gegenüber der Medizin, die ein Stück weit an das Thema Impfen erinnert.

Dokumentation der Studie: Online-Befragung über das Bilendi-Panel, repräsentativ für die Wiener Bevölkerung zwischen 16 und 79 Jahren, n = 501, max. Schwankungsbreite der Gesamtstichprobe +/- 4,2 %, Befragungszeitraum: 4. bis 10. September 2026, mobile Beantwortung: 69 %
