Wunsch und Wirklichkeit: Zwei Drittel der Wiener:innen wollen Wohneigentum, ein Fünftel hat es verwirklicht

Wohnen wird immer mehr zum wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Brennpunkt-Thema: Der Anteil der Wohnkosten an den Haushaltseinkommen wächst, Immobilienpreise und Mieten steigen, die Vergabe von Wohnbaukrediten wurde deutlich restriktiver. Doch der Wunsch nach Wohneigentum ist ungebrochen, auch in der Zwei-Millionen-Stadt Wien. Diese und weitere Fragen rund um das Thema Wohnen haben wir im Rahmen unserer aktuellen Studie für ORF Radio Wien mit Unterstützung unseres Feldpartners Bilendi behandelt. Die Devise lautet „My Home Is My Castle“ und auch sonst sind die Einstellungen der Wiener:innen zum Wohnen eher traditionell: Die beliebteste Wohnform ist das Einfamilienhaus, die begehrteste Lage der Stadtrand. Eine klare Mehrheit wünscht sich möglichst viel Platz im eigenen Wohnraum. Nur eine Minderheit sehnt sich nach einer „neuen Bescheidenheit“ mit weniger Besitz und einem einfacheren Leben. Die Hälfte hätte gerne Gemeinschaftsflächen und -räume in ihrem Wohnumfeld, mit Fokus auf Grünanlagen, Ruhezonen und Sporteinrichtungen.


65 % der Wiener:innen stimmen der Aussage sehr oder eher zu, dass sie ihre Wohnung oder Haus lieber besitzen als mieten. Und dies, obwohl die Immobilienpreise im Durchschnitt der vergangenen Jahren deutlich über der Inflationsrate zugelegt haben und die Vergabe von Immobilienkrediten deutlich restriktiver geworden ist (Stichwort: „KIM-Verordnung“). Die tatsächliche Wohnungseigentumsquote der Wiener Haushalte liegt laut Daten der Statistik Austria hingegen bei 20 % (Österreich gesamt: 48 %). Hier klaffen also Wunsch und Wirklichkeit deutlich auseinander.

Eine ebenso eher traditionelle Haltung nehmen die Wiener:innen bei der Frage ein, wieviel Fläche sie zum Wohnen wünschen. 67 % stimmen der sinngemäßen Aussage „je mehr, desto besser“ zu. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch – naturgemäß – bei Familien mit Kindern (71 %). Dem Gedanken einer „neuen Bescheidenheit“ können dagegen nur 37 % etwas abgewinnen und nur 22 % bevorzugen gemeinschaftliche Wohnformen gegenüber dem Einfamilienhaus.

Immerhin 42 % können dem Konzept eines „Tiny House“, also Häusern mit oft nicht mehr als 30 qm Grundfläche, etwas abgewinnen. Motto: „Klein, aber mein.“


Traditionell sind auch die Meinungen zur idealen Wohnform: 44 % der Wiener:innen sehen diese im Einfamilienhaus mit Garten verwirklicht. Dies ist insofern bemekenswert als lediglich 8 % der Wiener:innen tatsächlich in einem Einfamilienhaus leben (Quelle: Statistik Austria). Denn in vielen Fragen prägen die tatsächlich gegebenen Umstände auch das Meinungsbild. In anderen Worten: Man hat sich mit der Realität angefreundet. Dies scheint in diesem Fall nicht zuzutreffen.

Für Eigentumswohnungen mit 25 % und Mietwohnungen mit 21 % ist die Präferenz sehr ähnlich. Die Frage, ob Eigentum oder Miete spielt hier keine entscheidende Rolle. Fazit: Wohnform schlägt Rechtsform.

Einfamilienhäuser werden vor allem von jungen Menschen unter 30 (49 %) und Familien mit Kindern (56 %) bevorzugt. Eigentumswohnungen stehen bei Befragten mit Matura höher im Kurs (31 %) als bei anderen (20 %), was in vielen Fällen auch mit dem Einkommen und der Finanzierbarkeit korreliert. Die relativ höchste Präferenz für Mietwohnungen haben Menschen über 50 (28%), was ebenfalls durch die Lebenssituation erklärbar ist.


Kurt Tucholsky schreibt in seinem Gedicht „Das Ideal“ von einer „Villa im Grünen, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße“. Etwas ähnlich sehen es die Wiener:innen, wenn es um ihre bevorzugte Wohnlage geht: 45 % würden am liebsten am Stadtrand wohnen und wollen damit vermutlich die Vorteile von Stadt und Land kombinieren. Auffällig ist, dass bei Bewohner:innen der Außenbezirke, insbesondere im 21. und 22. Bezirk, dieser Wunsch stark überdurchschnittlich ausgeprägt ist (58 %). Wunsch und Realität liegen hier recht nahe beisammen.

33 % präferieren eine innerstädtische Lage, vor allem junge Menschen unter 30 (39 %) und, vielleicht etwas überraschend, auch Familien mit Kindern (38 %). Eine mögliche Erklärung dafür sind Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen im innerstädtischen Bereich, wo ein dichteres Angebot und mehr Wahlmöglichkeit vermutet wird.

15 % der Wiener:innen würden am liebsten „am Land“ wohnen. Dies ist eine klare Minderheit, liegt jedoch noch vor der letztgereihten Option „Kleinstadt“. Hier scheinen die Hauptstädter:innen die Haltung einzunehmen: „Wenn schon Stadt, dann richtig.“


Dokumentation der Studie: Online-Befragung über das Bilendi-Panel, repräsentativ für die Wiener Bevölkerung zwischen 16 und 79 Jahren, n = 501, max. Schwankungsbreite der Gesamtstichprobe +/- 4,2 %Befragungszeitraum: 21. bis 27. Mai 2026, mobile Beantwortung: 69 %

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