Wohnen: Eigenes Homeoffice und Smart Home sind für jeweils rund ein Drittel der Wiener:innen ein großes Thema

Wohnen ist heute mehr als „ein Dach über dem Kopf“. Viele Menschen nutzen die Wohnung auch als zumindest zeitweiligen Arbeitsplatz. Und die vielen Features, die Smartphones und andere digitale Geräte heute bieten, werden häufig auch als Benchmark für die technische Ausstattung von Wohnungen gesehen. Im Rahmen unserer Kooperation mit ORF Radio Wien und mit Unterstützung unseres Feldpartners Bilendi haben wir die Anforderungen der Wiener:innen an den Wohnraum und die Wohnungsausstattung untersucht. Neben den genannten aktuellen Themen geht es dabei auch um klassische Fragen, wie das eigene Kinderzimmer oder das gemeinsame bzw. getrennte Schlafzimmer von Paaren. Spoiler-Alarm: Beim letzten Thema scheiden sich die Geister 😉


Es besteht große Einigkeit, dass jedes Kind nach Möglichkeit sein eigenes Zimmer haben sollte: 82 % der Wiener:innen vertreten diese Ansicht. Deutlich gespaltener ist die Meinung, wenn es um die Schlafzimmer von Paaren geht: 52 % stimmen der Aussage sehr oder eher zu, dass getrennte Schlafzimmer ein Zeichen von Entfremdung sind. Auf der anderen Seite meinen 55 %, dass gegen die Option für getrenntes Schlafen nichts einzuwenden und dies zeitgemäß sei (Zusatzfrage, nicht in der Grafik). 62 % der befragten Männer sehen im getrennten Schlafen eine mögliche Entfremdung und sind damit in dieser Frage deutlich sensibler als Frauen (41 %).

Deutlich geringer, aber auch auf beachtlichem Niveau ist der Wunsch nach einem eigenen Arbeitszimmer oder Homeoffice in der Wohnung. Ein solches wünschen sich 38 %, wobei der Bedarf vor allem bei Menschen bis 30 (43 %) und mit Matura (46 %) besonders stark ausgeprägt ist. Bei letzteren dürfte vor allem der höhere Anteil an Erwerbstätigen mit informations- und wissensbezogenen Jobs ursächlich sein, die eine vergleichsweise hohe Homeoffice-Affinität haben.


Der starke Wunsch nach einem eigenen Arbeitszimmer oder Homeoffice ist leicht erklärt: Denn 45 % der Wiener:innen arbeiten zumindest gelegentlich von zu Hause. Dieser Wert liegt deutlich über dem Österreich-Durchschnitt, der laut Eurostat 24 % beträgt (Stand 2022, aktuellere Daten liegen nicht vor). Diese starke Verbreitung von Heimarbeit in Wien ist beachtlich: Zwar wird auch gelegentliches Arbeiten von zu Hause dazu gerechnet und die Beschäftigungsstruktur in Wien (relativ hoher Anteil von wissens- und informationsbezogenen Berufen) begünstigt diese Arbeitsform. Andererseits würden im Vergleich zu Flächenbundesländern die Distanzen und Erreichbarkeitsverhältnisse eher dafür sprechen, ins Büro zu fahren.

Jedoch, was das eigene Arbeitszimmer anbelangt, klaffen Wunsch und Wirklichkeit merkbar auseinander: Während 38 % ein solches für notwendig halten (siehe oben), verfügen lediglich 14 % tatsächlich darüber. Überdurchschnittlich hoch ist die Verbreitung bei Familien mit Kindern (24 %) und Befragten mit Matura (22 %). Außerdem geben 19 % der Männer an, dass sie über ein solches getrenntes Zimmer verfügen, während es unter den Frauen nur 10 % sind.


31 %, fast einem Drittel der Wiener:innen, sind Smart Home Lösungen sehr oder eher wichtig. Darunter sind digitale Lösungen zu verstehen, mittels derer haustechnische Einrichtungen wie Haushaltsgeräte (z.B. Kühlschrank, Staubsaugroboter, Beregnungsanlage), Heizungs- und Energieanlagen (z.B. Photovoltaik/Einspeisung), Jalousien und Rollläden und vieles mehr gesteuert werden können.

Die wichtigsten Motive für diese gewünschten Smart Home Anwendungen sind Komfort und Bequemlichkeit (48 %). An zweiter Stelle stehen Energie- und Kostenersparnis (40 %). Es stehen keine direkten Vergleichswerte zur Verfügung, aber es ist davon auszugehen, dass dieses Motiv in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen hat: einerseits durch Energiekrisen, andererseits durch die wachsende PV-Verbreitung, die viele Haushalte zu sogenannten Prosumern macht. Auf Platz drei folgt der Sicherheitsaspekt, z.B. durch den Realtime-Zugriff auf Überwachungskameras oder Alarmanlagen.

Welche konkreten Smart Home Anwendungen hätten die Wiener:innen nun gerne? Die Wünsche und Präferenzen sind breit gestreut, eine Killer-Applikation, die im Vordergrund steht, lässt sich nicht ausmachen. Mit 22 % haben smarte Haushaltsgeräte die höchste Zustimmung (Staubsauer, Rasenmäher, Kühlschrank, …). Knapp dahinter mit 21 % folgen Sprachassistenten wie Alexa, Siri oder Google Assistant, die auch als User Interface für andere Smart-Applikationen gesehen werden können. Dicht dahinter und praktisch gleich auf folgen Heizungssteuerung, Sicherheitstechnik, intelligente Beleuchtungssysteme, Energiemanagement und automatisierte Rollläden, die sich je nach Uhrzeit bzw. Sonneneinstrahlung schließen oder öffnen.


Dokumentation der Studie: Online-Befragung über das Bilendi-Panel, repräsentativ für die Wiener Bevölkerung zwischen 16 und 79 Jahren, n = 501, max. Schwankungsbreite der Gesamtstichprobe +/- 4,2 %Befragungszeitraum: 21. bis 27. Mai 2026, mobile Beantwortung: 69 %

Wunsch und Wirklichkeit: Zwei Drittel der Wiener:innen wollen Wohneigentum, ein Fünftel hat es verwirklicht

Wohnen wird immer mehr zum wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Brennpunkt-Thema: Der Anteil der Wohnkosten an den Haushaltseinkommen wächst, Immobilienpreise und Mieten steigen, die Vergabe von Wohnbaukrediten wurde deutlich restriktiver. Doch der Wunsch nach Wohneigentum ist ungebrochen, auch in der Zwei-Millionen-Stadt Wien. Diese und weitere Fragen rund um das Thema Wohnen haben wir im Rahmen unserer aktuellen Studie für ORF Radio Wien mit Unterstützung unseres Feldpartners Bilendi behandelt. Die Devise lautet „My Home Is My Castle“ und auch sonst sind die Einstellungen der Wiener:innen zum Wohnen eher traditionell: Die beliebteste Wohnform ist das Einfamilienhaus, die begehrteste Lage der Stadtrand. Eine klare Mehrheit wünscht sich möglichst viel Platz im eigenen Wohnraum. Nur eine Minderheit sehnt sich nach einer „neuen Bescheidenheit“ mit weniger Besitz und einem einfacheren Leben. Die Hälfte hätte gerne Gemeinschaftsflächen und -räume in ihrem Wohnumfeld, mit Fokus auf Grünanlagen, Ruhezonen und Sporteinrichtungen.


65 % der Wiener:innen stimmen der Aussage sehr oder eher zu, dass sie ihre Wohnung oder Haus lieber besitzen als mieten. Und dies, obwohl die Immobilienpreise im Durchschnitt der vergangenen Jahren deutlich über der Inflationsrate zugelegt haben und die Vergabe von Immobilienkrediten deutlich restriktiver geworden ist (Stichwort: „KIM-Verordnung“). Die tatsächliche Wohnungseigentumsquote der Wiener Haushalte liegt laut Daten der Statistik Austria hingegen bei 20 % (Österreich gesamt: 48 %). Hier klaffen also Wunsch und Wirklichkeit deutlich auseinander.

Eine ebenso eher traditionelle Haltung nehmen die Wiener:innen bei der Frage ein, wieviel Fläche sie zum Wohnen wünschen. 67 % stimmen der sinngemäßen Aussage „je mehr, desto besser“ zu. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch – naturgemäß – bei Familien mit Kindern (71 %). Dem Gedanken einer „neuen Bescheidenheit“ können dagegen nur 37 % etwas abgewinnen und nur 22 % bevorzugen gemeinschaftliche Wohnformen gegenüber dem Einfamilienhaus.

Immerhin 42 % können dem Konzept eines „Tiny House“, also Häusern mit oft nicht mehr als 30 qm Grundfläche, etwas abgewinnen. Motto: „Klein, aber mein.“


Traditionell sind auch die Meinungen zur idealen Wohnform: 44 % der Wiener:innen sehen diese im Einfamilienhaus mit Garten verwirklicht. Dies ist insofern bemekenswert als lediglich 8 % der Wiener:innen tatsächlich in einem Einfamilienhaus leben (Quelle: Statistik Austria). Denn in vielen Fragen prägen die tatsächlich gegebenen Umstände auch das Meinungsbild. In anderen Worten: Man hat sich mit der Realität angefreundet. Dies scheint in diesem Fall nicht zuzutreffen.

Für Eigentumswohnungen mit 25 % und Mietwohnungen mit 21 % ist die Präferenz sehr ähnlich. Die Frage, ob Eigentum oder Miete spielt hier keine entscheidende Rolle. Fazit: Wohnform schlägt Rechtsform.

Einfamilienhäuser werden vor allem von jungen Menschen unter 30 (49 %) und Familien mit Kindern (56 %) bevorzugt. Eigentumswohnungen stehen bei Befragten mit Matura höher im Kurs (31 %) als bei anderen (20 %), was in vielen Fällen auch mit dem Einkommen und der Finanzierbarkeit korreliert. Die relativ höchste Präferenz für Mietwohnungen haben Menschen über 50 (28%), was ebenfalls durch die Lebenssituation erklärbar ist.


Kurt Tucholsky schreibt in seinem Gedicht „Das Ideal“ von einer „Villa im Grünen, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße“. Etwas ähnlich sehen es die Wiener:innen, wenn es um ihre bevorzugte Wohnlage geht: 45 % würden am liebsten am Stadtrand wohnen und wollen damit vermutlich die Vorteile von Stadt und Land kombinieren. Auffällig ist, dass bei Bewohner:innen der Außenbezirke, insbesondere im 21. und 22. Bezirk, dieser Wunsch stark überdurchschnittlich ausgeprägt ist (58 %). Wunsch und Realität liegen hier recht nahe beisammen.

33 % präferieren eine innerstädtische Lage, vor allem junge Menschen unter 30 (39 %) und, vielleicht etwas überraschend, auch Familien mit Kindern (38 %). Eine mögliche Erklärung dafür sind Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen im innerstädtischen Bereich, wo ein dichteres Angebot und mehr Wahlmöglichkeit vermutet wird.

15 % der Wiener:innen würden am liebsten „am Land“ wohnen. Dies ist eine klare Minderheit, liegt jedoch noch vor der letztgereihten Option „Kleinstadt“. Hier scheinen die Hauptstädter:innen die Haltung einzunehmen: „Wenn schon Stadt, dann richtig.“


Dokumentation der Studie: Online-Befragung über das Bilendi-Panel, repräsentativ für die Wiener Bevölkerung zwischen 16 und 79 Jahren, n = 501, max. Schwankungsbreite der Gesamtstichprobe +/- 4,2 %Befragungszeitraum: 21. bis 27. Mai 2026, mobile Beantwortung: 69 %