Italien ist ein Sehnsuchtsort der Österreicher:innen, insbesondere der Wiener:innen, und das schon seit Generationen. Es ist die Urlaubsdestination Nummer 1 und viele Menschen aus der Hauptstadt lassen es sich trotz zahlreicher Krisen nicht nehmen, jährlich oder zumindest regelmäßig in unserem Nachbarland Urlaub zu machen. In unserer aktuellen Studie für ORF Radio Wien mit Unterstützung unseres Feldpartners Bilendi haben wir die Gründe und Motive der Wiener:innen für ihre Italien-Sympathie analysiert und wir haben das Bel Paese auch mit dem zweitliebsten, südlichen Urlaubsland der Österreicher:innen, Kroatien, verglichen. Welches Land liegt bei Kultur, Kulinarik, Landschaft und so weiter in der Gunst der Wiener:innen vorne? Ein Ländermatch der besonderen Art.

24 % der Wiener:innen sind Italien-Stammgäste und fahren einmal oder öfter im Jahr dort hin auf Urlaub. 34 % waren innerhalb der letzten 5 Jahre nicht in Italien, sind aber für einen Urlaub dort offen. Lediglich 4 % haben das Land in den letzten Jahren nicht besucht und haben auch kein Interesse daran.
Ein besonders hoher Stammgäste-Anteil ist unter den Familien mit Kindern (33 %) zu finden. Das war vermutlich immer schon so, man denke nur an die von vielen als Kinderparadies empfundenen Sandstrände. Überraschender: Auch Wiener:innen unter 30 gehören zu den großen Italien-Fans, 29 % von ihnen zählen zu den Stammgästen, wobei dabei viele – wie eine detaillierte Analyse der Motive zeigt – der Tradition in der Familie folgen.
Eine Geldfrage ist es aber letztlich auch: Unter den Haushalten mit einem verfügbaren Monatseinkommen von 3.600 Euro und mehr sind 31 % Italien-Stammgäste, unter jenen mit einem geringeren Einkommen sind es 21 %. Diese letztgenannten Haushalte sind aber durchaus an einem Italien-Aufenthalt interessiert: 38 % von ihnen waren noch nie oder in den letzten 5 Jahren nicht dort, sind aber für einen Urlaub im Land offen.
Bei den Gründen und Motiven, warum Italien für die Wiener Bevölkerung so attraktiv ist, werden gleich sechs Bereiche zu mehr als 80 % als sehr oder eher zutreffend angesehen. An der Spitze liegen mit 91 % der Befragten, die in den letzten 5 Jahren in Italien waren oder dafür offen sind, die Sehenswürdigkeiten, dicht gefolgt von dem italienischen Essen und Wein (88 %), der guten Erreichbarkeit von Wien aus und den Stränden und Küsten mit jeweils 85 %. Es ist schon bemerkenswert, dass die Kulinarik eine derart wichtige Rolle einnimmt. „Liebe geht durch den Magen“, für die Wiener:innen scheint das besonders zu gelten.
Sehenswürdigkeiten als Besuchsmotiv werden vor allem von über 50-jährigen genannt (94 %), jedoch noch mehr – etwas überraschend – von Familien mit Kindern (96 %). Die Kulinarik spielt für die meisten untersuchten Bevölkerungsgruppen eine ähnlich wichtige Rolle, die unter 30-jährigen weichen etwas nach unten ab (80 %). Die Strände Italiens werden, wie schon oben angedeutet, besonders von Familien geschätzt (94 %). Und: Diese sind bei Frauen (89 %) etwas beliebter als bei Männern (80 %). Hier erfüllt sich in gewisser Weise ein klischeehaftes Bild: „Sie“ verbringt den Tag am Strand, „ihm“ wird es mit der Zeit zu heiß und er übersiedelt in das Strandcafé.


46 % der Wiener:innen bevorzugen Italien als Urlaubsland, 19 % Kroatien, 27 % sehen beide Länder als gleich attraktiv an.
Die Präferenz für Italien ist besonders stark unter Männern (52 %), der mittleren Altersgruppe zwischen 30 und 49 (ebenfalls 52 %) und Befragten mit Matura (56 %) ausgeprägt. Kroatien punktet überdurchschnittlich bei unter 30-jährigen (23 %) und Befragten ohne Matura (25 %).
Interessant ist das Meinungsbild der potenziellen Italien-Urlauber:innen, also Befragten, die in den letzten 5 Jahren nicht in Italien waren, aber offen für einen Urlaub dort sind: Zwischen ihnen verteilen sich die Präferenzen Pro-Italien (30 %) und Pro-Kroatien (28 %) ziemlich gleich und auch die Gruppe, die beide Länder gleich attraktiv finden, ist in dieser Größenordnung (31 %; Rest: keine Angabe). Hier gibt es also ein Marktsegment, wo die Destinationen gewinnen oder verlieren können.
In welchen Einzelbereichen liegen nun Italien bzw. Kroatien im Ländervergleich vorne? Unter 14 abgefragten Kriterien kann Italien 12 für sich entscheiden, 2 gehen an Kroatien. Am deutlichsten ist das Ergebnis in der Kategorie „Architektur, Kultur, Geschichte“: Hier meinen 60 %, dass Italien die Bedürfnisse der Gäste besser erfüllt, 7 % sehen Kroatien vorne (Differenz auf 100: beide gleich oder keine Angabe). Zu den weiteren Top 5 Kategorien von Italien zählen die Shoppingmöglichkeiten, Kunst- und Kulturveranstaltungen, die Kulinarik sowie der Lifestyle und das Lebensgefühl.
Die zwei Kategorien, wo Kroatien die Nase vorne hat, sind: Die Strände und das Meer, hier gibt es einen hauchdünnen Vorsprung von 2 Prozentpunkten sowie die Leistbarkeit und das Preisniveau, wo es ein relativ deutliches Votum für Kroatien gibt. An dieser Stelle ein kurzer Reality Check: Wie die Unicredit Bank Austria Urlaubseuro Analyse zeigt, ist das Preisniveau in Kroatien tatsächlich etwas günstiger als in Italien: Für 100 Euro erhält man in Kroatien einen Warenkorb, der in Österreich 109 Euro kosten würde, in Italien einen mit einem Gegenwert von 107 Euro.

Dokumentation der Studie: Online-Befragung über das Bilendi-Panel, repräsentativ für die Wiener Bevölkerung zwischen 16 und 79 Jahren, n = 501, max. Schwankungsbreite der Gesamtstichprobe +/- 4,2 %, Befragungszeitraum: 14. bis 21. Juli 2026, mobile Beantwortung: 69 %
