Sehr zum Wohl: Die Getränkepräferenzen und Trinkgewohnheiten der Wiener:innen

Das Glas Wein und die Gemütlichkeit beim Wiener Heurigen gehören einerseits zu den Gründungslegenden der Republik – ein Drittel der Wiener:innen glaubt weiterhin an das „gesunde Achterl“. Andererseits sind Getränke einer der wichtigsten Teilmärkte im FMCG-Bereich (Fast Moving Consumer Goods) und werden auch mit gesellschaftlichen Problemen in Zusammenhang gebracht (Zucker, Alkohol). Im Rahmen unserer Kooperation mit ORF Radio Wien und mit Unterstützung unseres Feldpartners Bilendi haben wir untersucht, wie die Wiener:innen ihr Trinkverhalten sehen, welche Getränke sie präferieren und was Motive und Barrieren für den alkoholfreien Genuss sind.


18 % der Wiener:innen trinken nach Eigenangaben gar keinen Alkohol. 9 % meinen, dass dies auf ihre Bekannten und Freund:innen zutrifft. Diese projektive Fragestellung ist hilfreich, um sozial erwünschtes Antwortverhalten zu korrigieren. Ein Vergleichswert des Gesundheitsministeriums für Österreich liegt bei 14 %. Die Zahl der Abstinenten ist unter Frauen (22 %) und bei den unter 30-jährigen (27 %) deutlich über dem Schnitt.


Limonaden und Fruchtsäfte führen das Ranking klar an.
4 von 10 Wiener:innen trinken zumindest gelegentlich Wein oder Bier. Alkoholisches Bier ist klar eine Männer-Domäne (Männer: 58 %; Frauen: 22 %), während der Konsum von alkoholfreiem Bier ausge-glichen ist (M: 15 %; F: 12 %). Frauen greifen dafür häufiger zu alkoholischen Misch-getränken wie Aperol oder Hugo (M: 19 %; F: 31 %). Unter 30-jährige konsumieren seltener Bier (29 %), dafür häufiger Energy Drinks (50 %).


54 % der Wiener:innen, die zumindest gelegentlich alkoholfreie Getränke konsumieren, trinken diese wegen des Geschmacks. Dieses Motiv ist bei unter 30-jährigen besonders ausgeprägt (62 %). Dahinter folgen drei gesundheits-bezogene Motive, wobei sich hier kein klarer Alterstrend zeigt. Gesundheitsargumente haben in Zusammenhang mit alkoholfreien Getränken in allen Altersgruppen einen relevanten Stellenwert.


Der Geschmack ist auch das beste Argument, um Personen, die keine der vorgegebenen Analkoholika konsumieren, davon zu überzeugen. An zweiter Stelle stehen wiederum gesundheitliche Aspekte, wobei hier das mögliche Motiv „weniger Kalorien“ am häufigsten genannt wird. Der Preis spielt hingegen eine eher untergeordnete Rolle.


Dokumentation der Studie: Online-Befragung über das Bilendi-Panel, repräsentativ für die Wiener Bevölkerung zwischen 16 und 79 Jahren, n = 500, max. Schwankungsbreite der Gesamtstichprobe +/- 4,2 %Befragungszeitraum: 26. Februar bis 09. März 2026

Abnehmen: Die Wohlstands-Challenge zwischen Sport, Ernährung, Social Media und Abnehmspritze

Abnehmen gehört zu den großen Herausforderungen unserer Wohlstandsgesellschaft. Dafür sorgen nicht zuletzt Social Media, die vor allem das Selbstbild von Mädchen und jungen Frauen beeinflussen. Die große Mehrheit der Wiener:innen ist mit ihrem Gewicht zufrieden, ein Viertel will abnehmen, mehr als ein Drittel hat dies schon erfolgreich getan. Sport und Ernährung gelten als Schlüssel dazu, nur 4 % würden auf die Abnehmspritze setzen. In einer Studie für den ORF Wien und mit Unterstützung unseres Feldpartners Bilendi sind wir diesen Fragen auf den Grund gegangen.


So ist die Ausgangslage: 26 % der Wiener:innen wollen abnehmen, weitere 39 Prozent denken zumindest gelegentlich daran (insgesamt: 65 %). Laut Statistik Austria lag 2019 der Anteil der Wiener:innen mit Übergewicht bei 32 %, also etwas höher. 29 % sind mit ihrem Gewicht zufrieden, Frauen (23 %) und Über-50jährige (25 %) liegen unter dem Durchschnitt. 5 % meinen, sie kämpfen mit einem zu niedrigen Gewicht.


Immerhin: 36 % der Wiener:innen haben schon erfolgreich abgenommen,
24 % blieb dies verwehrt, unter den Über-50jährigen sind es 28 %. Wenig überraschend: Mit dem Alter scheint das Abnehmen schwieriger zu werden. Ebenfalls 36 % haben noch keine ernsthaften Abnehm-Versuche unternommen. Hier liegen Männer mit 43 % deutlich vor Frauen mit 30 %.


„Es lebe der Sport“: Die große Mehrheit der Wiener:innen hält diesen für das beste Mittel zur Gewichtsreduktion, gefolgt von Grundsatzmaßnahmen in der Ernährung. Diäten und Fasten werden als weniger effektiv eingestuft. Lediglich
4 % halten im Vergleich die Abnehmspritze für geeignet. Das überrascht insofern, als diese 2024 Dänemark sogar ein über-durchschnittliches BIP-Wachstum eingebracht hat, wie Wirtschaftsforscher berichteten.


Darüber hinaus erfreut sich die Abnehmspritze hoher Bekanntheit, vor allem unter den Wiener:innen über 50.

Jedoch zeigt sich auch hier: Fast die Hälfte der Wiener:innen meint, dass diese nur in Kombination mit Sport/Bewegung und gesunder Ernährung eingesetzt werden sollte. Ein einfaches das „Übergewicht wegspritzen“ ist aus Sicht der Wiener:innen keine Option.


Wohl wenig überraschend spielen Social Media eine wesentliche Rolle für dieses Thema, zumindest sehen es die Wiener:innen so. 87 % meinen, dass Social Media Mädchen und jungen Frauen vorgeben, wie ihre Figur zu sein hat. Bei Burschen und jungen Männer sind es immerhin auch 67 %, aber der vermutete gesellschaftliche Druck ist doch deutlich geringer.


Dokumentation der Studie: Online-Befragung über das Bilendi-Panel, repräsentativ für die Wiener Bevölkerung zwischen 16 und 79 Jahren, n = 500, max. Schwankungsbreite der Gesamtstichprobe +/- 4,2 %Befragungszeitraum: 26. Februar bis 09. März 2026

Gesundheit: Zwei Drittel greifen häufig oder gelegentlich zu alten Heil- und Hausmitteln

Im Rahmen unserer Kooperation mit ORF Wien und mit Unterstützung unseres Feldpartners Bilendi sind wir der Frage nachgegangen, wie die Wienerinnen und Wiener über alte Heilmittel und Hausmittel denken. Kurz zusammengefasst: Sie spielen im persönlichen „Gesundheitsmanagement“ eine wesentliche Rolle, wie die folgenden Daten zeigen.

68 % wenden alte Heil- und Hausmittel regelmäßig oder zumindest gelegentlich an. Auffällig ist der deutliche Unterschied zwischen Frauen (75 %) und Männern (62 %). Vermutlich haben Frauen mehr Affinität zu alternativen und komplementären Gesundheitskonzepten. Ein ähnlicher Trend zeigt sich in den Altersgruppen: Während 72 % der über 50-jährigen derartige Heil- und Hausmittel anwenden, sind es bei den unter 30-jährigen 64 %.

Worauf vertrauen nun die Wiener:innen, wenn sie Haus- und alten Heimitteln greifen? 28 % nennen spontan Tees. Das in den letzten Jahren stetig gewachsene Sortiment an Früchte-, Kräuter- und anderen Tees bestätigt diesen Trend und dürfte darauf zurückzuführen sein. Dahinter folgen mit einigem Abstand Hausmittel im engeren Sinn (z.B. Umschläge) sowie Honig als weiteres Konsumgut. Diese Nennungen erfolgten spontan. Wenn Antwortmöglichkeiten vorgegeben werden (gestützte Abfrage), dann meinen 46 %, dass sie Honig als Heilmittel verwenden. Besonders beliebt scheint dieser in Haushalten mit Kindern unter 14 Jahren, wo 58 % bei Beschwerden zu Honig greifen. Die Vorteile erscheinen klar: Süß und einfach in der Anwendung.

Im Verhältnis zur Schulmedizin meint eine relative, aber klare Mehrheit von 46 %, dass alte Heilmittel eine Ergänzung sein sollten. Immerhin 21 % sehen in bestimmten Fällen einen Ersatz für die Schulmedizin. Lediglich 3 % sind der Ansicht, dass diese Heilmittel insgesamt keine große Rolle spielen sollten. Fazit: Alte Heil- und Hausmittel haben einen fixen Platz im „Gesundheitsmanagement“ der Wiener Haushalte, als Ergänzung, aber für die meisten nicht zu ersetzen. Anbietern von Gesundheitsleistungen und -produkten ist zu empfehlen, diese Haltung nicht zu ignorieren.

Diese Studie wurde im Rahmen der Talk im Turm Serie unseres Kooperationspartners ORF Wien präsentiert. Alle Ergebnisse und Kommentare zum Nachhören gibt es hier.


Dokumentation der Studie: Online-Befragung, repräsentativ für die Wiener Bevölkerung zwischen 16 und 79 Jahren, n = 500, max. Schwankungsbreite der Gesamtstichprobe +/- 4,2 %Befragungszeitraum: 14. – 19. Jänner 2026